Gespräch mit Edmund Müller, Sozialdetektiv beim Jobcenter Mitte. Das Gespräch führte Eva Dorothée Schmid.[1]
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Herr Müller, stellen Sie oft fest, dass Paare sich zum Schein wegen Hartz IV trennen? [Berliner Zeitung Bericht: "Ohne Harz IV ginge in jedem sechsten Haushalt das Licht aus: Manche Paare trennen sich pro forma, um mehr Geld zu kassiern"]
Das hat zugenommen. Bei Überprüfungen stellen wir dann fest, dass sich die Paare nicht in den angegebenen Wohnungen aufhalten. Häufig bleiben sie aber auch in einer Wohnung und stellen das so dar, als ob sie nur eine Wohngemeinschaft bilden.
Und wie kommen Sie denen auf die Schliche?
Die Sachbearbeiter stellen Unstimmigkeiten in den Akten fest oder es gibt Hinweise.
Das heißt, Nachbarn schwärzen sie an?
Das ist keine Seltenheit. Manchmal gibt es aber auch Beziehungsstreitigkeiten, bei denen es nicht unbedingt fair zugeht und dann gibt es auch mal falsche Anschuldigungen.
Und solche Vorwürfe prüfen Sie dann vor Ort?
Ja, wir klingeln, stellen uns vor und fragen, ob wir die Wohnung betreten dürfen. Wenn nicht, weisen wir die Leute auf ihre Mitwirkungspflicht hin und die eventuellen Folgen, die ihnen drohen, wenn sie nicht kooperativ sind.
Wenn sie rein dürfen, worauf achten Sie?
Wir überprüfen, ob es sich um eine eheähnliche Gemeinschaft handelt. Wir lassen uns in der Wohnung rumführen und fragen, ob wir in den Schrank schauen dürfen, schauen uns persönliche Unterlagen an, immer auf freiwilliger Basis.
Und welche Indizien deuten darauf hin, dass Leute betrügen?
Also die Zahl der Zahnbürsten ist da nicht entscheidend. Ich bin auch alleinstehend und habe drei Zahnbürsten. Wichtig ist das Gesamtbild. Wenn Sie als Frau mit jemanden nur in einer WG leben, dann haben Sie ihre Unterwäsche sicher nicht in der Kommode ihres Mitbewohners. Auch persönliche Unterlagen wie Kontoauszüge sind eher getrennt aufbewahrt. Da muss jeder schon noch seinen Intimbereich haben.
Sind die Leute raffinierter geworden?
Ja, die bekommen ja auch überall Tipps, zum Teil auf Internetseiten voon parteien. Das macht unsere Arbeit noch schwieriger.
Das Gespräch führte Eva Dorothée Schmid.
[1] Eva Dorothée Schmid, " Sozialdetektiv: 'Die Zahl der Zahnbürsten ist nicht entscheidend', Gespräch mit Edmund Müller in Berliner Zeitung, Nr. 237, 11. Oktober 2005.